20.4.2007
Es gibt zahlreiche Berichte über Tötungen durch eine „Todesschwadron”. Journalisten und Pressevertreter wurden ermordet. Todesurteile werden weiterhin verhängt. Personen mit HIV/AIDS werden stigmatisiert und erhalten nicht immer die notwendige medizinische Versorgung. Gewalt gegen Frauen, insbesondere im familiären Umfeld, ist weit verbreitet. Guyana ist als weltweit dritter Staat von Menschenrechtsabkommen zurückgetreten.
Der Mord an dem Landwirtschaftsminister Satyadeow Sawh (PPP) im April 2006 hatte zu Befürchtungen erneuter Gewaltausbrüche zwischen den vorwiegend indischstämmigen Anhängern der PPP und den afrikanischstämmigen Anhängern des People's National Congress (PNC) geführt. Die Wahl im August 2006 verlief dennoch friedlich, die People's Progressive Party (PPP) ging als Sieger daraus hervor.
Ende 2006 saßen weiterhin 21 Menschen – 19 Männer und zwei Frauen – in den Todeszellen des Landes ein.
Im April 2006 wurde der Karibische Gerichtshof ins Leben gerufen, dessen Zuständigkeit als Oberste Berufungsinstanz Guyana verbindlich anerkannte. Seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1970 hatte diese Funktion das Berufungsgericht von Guyana wahrgenommen.
Ca. 2,5 % der Bevölkerung Guyanas sind HIV-positiv. 2.000 bis 3.000 Menschen benötigen antiretrovirale Medikamente, aber nur 1500 erhalten sie. Obwohl die Regierung Informationskampagnen durchführte, werden HIV-Infizierte stigmatisiert. Etwa ein Drittel der Bevölkerung denkt, dass HIV durch einen Moskitostich oder ein gemeinsames Essen übertragen werden kann. 23 % der Bevölkerung befürwortet eine Quarantäne von HIV-Positiven.
Nicht zuletzt aufgrund der weit verbreiteten sexuellen Gewalt sind Frauen besonders infektionsgefährdet. Männer, die in der Minen im Hinterland arbeiten, sind durch sexuelle Kontakte zu Prostituierten häufiger infiziert. Zugleich ist dort die medizinische Versorgung deutlich schlechter als in der Hauptstadt.
Obwohl Diskriminierung verboten ist, fürchten viele HIV-Positive, dass ihre Infektion bekannt wird. Aus verschiedenen Zeugenaussagen gegenüber ai bestätigen, dass zum Teil positive Befunde Dritten zugänglich gemacht werden. Das hat auch zur Folge, dass die Bereitschaft, sich zu testen, sinkt. Eine 30jährige Frau hatte beispielsweise von ihrem positiven Testresultat ihrer Mutter erzählt. Diese sagte ihr dann, dass sie es schon lange von einem Arzt wisse, der ihre Tochter wegen Tuberkulose behandelte. Das erste positive Testresultat war der Frau selbst nicht mitgeteilt worden.
Homosexuelle Handlungen sind in Guyana illegal. Die Infektionsrate unter Schwulen liegt bei über 25%. Zugleich wird HIV/AIDS als „Schwulenplage” angesehen, was zu einer weiteren Stigmatisierung aller männlichen Infizierten führt.
Eine vom Staatspräsidenten eingesetzte Untersuchungskommission kam im April 2005 zu dem Ergebnis, dass für die Verwicklung des Innenministers in die Aktivitäten einer mutmaßlichen „Todesschwadron” keine „glaubwürdigen” Beweise vorhanden seien. Im Juni 2005 trat der Minister unter dem Druck des Auslandes dennoch von seinem Amt zurück. Berichten zufolge weigerten sich mehrere Zeugen, vor der Kommission auszusagen, weil sie um ihre Sicherheit fürchteten.
Im Juni 2004 war George Bacchus, wenige Tage bevor er in einem im Zusammenhang mit Mordanschlägen der „Todesschwadron” eingeleiteten Gerichtsverfahren als Zeuge vernommen werden sollte, erschossen worden. Im August 2005 hob ein Gericht die Entscheidung der Vorinstanz auf, eine mutmaßliche Auftragsmörderin wegen der Tötung von George Bacchus anzuklagen.
In den Monaten August und September 2005 fielen fünf weitere Menschen Tötungen zum Opfer, für die Medien die „Todesschwadron” verantwortlich machten.
Am 8. August 2006 wurden fünf Mitarbeiter der Tageszeitung Kaieteur News vor der Druckerei im Stile einer Hinrichtung erschossen. Das Motiv der Tat ist unklar. Der Besitzer der Zeitung hatte allerdings zuvor Drohungen wegen einer Serie über Vergewaltigungen in der Hauptstadt Georgetown erhalten.
Ronald Waddell, ein Radiojournalist und ehemaliger Kandidat des oppositionellen Poeple's National Congress wurde am 30. Januar 2006 in einer Vorstadt erschossen. Augenzeugen berichteten, dass ihn zwei Männer durch zahlreiche Schüsse verletzten und er auf dem Weg ins Krankenhaus starb.
Für keinen der sechs Morde wurde bisher jemand angeklagt.
Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Guyana Human Rights Association wurden zwischen 2000 und 2004 insgesamt 647 Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht, die in nur neun Fällen zur Verurteilung der Täter führten. In dem fraglichen Zeitraum registrierte die Vereinigung eine Zunahme sexueller Gewalttaten gegen Frauen von rund 30 % und einen 16fachen Anstieg der Zahl der Vergewaltigungsfälle, von denen nur 3 % zur Eröffnung eines Gerichtsverfahrens führten. In ihrem Bericht wies die Menschenrechtsvereinigung auf »Defizite und Schwächen im Justizwesen« hin.
2004 wurden den Behörden 2.395 Fälle von häuslicher Gewalt angezeigt. 2005 starben 30 Frauen an den Folgen der Gewalt.
Am 18. Dezember 1998 erklärte Guyana seinen Austritt aus dem Zusatzabkommen zum Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte. Am gleichen Tag trat die Inselrepublik dem Abkommen wieder bei, jedoch mit dem Vorbehalt, dass Menschen, die zum Tode verurteilt sind oder gegen die ein Todesurteil verhängt werden könnte, kein Individualbeschwerderecht mehr zugestanden wird.